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Starkenburger Echo | 05. April 2014  | von e

Eintauchen in frühere Zeiten

Ehrenamt – Sparkassenstiftung belohnt großes Engagement von Bonsweiherer Verein beim Aufbau eines Museums

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Ortstermin im Ledermuseum im Untergeschoss der Alten Schule in Bonsweiher: Viele hundert Stunden haben die Mitglieder des Kultur- und Museumsvereins (KuM) investiert, um die Geschichte Bonsweihers wieder lebendig und der Bevölkerung zugänglich zu machen. Für dieses ehrenamtliche Engagement wurde der Verein von der Sparkassenstiftung Starkenburg mit finanzieller Unterstützung bedacht. Von links: Der Mörlenbacher Sparkassenfilialleiter Steffen Meierhöfer, Gerhard Hofferbert von der Sparkassenstiftung), Brigitta Schilk und Heiko Lorenzen vom Kultur- und Museumsverein Bonsweiher sowie Herbert Arnold, Fachmann für Gerberei. Foto: SparkAssenstiftung 

BONSWEIHER.
Den intensiven ehrenamtlichen Einsatz des Kultur- und Museumsvereins (KuM) Bonsweiher hat die Sparkassenstiftung Starkenburg mit finanzieller Unterstützung gewürdigt.
Wie weitreichend die Geschichte des Mörlenbacher Ortsteils Bonsweiher ist, hatten die Mitglieder des KuM wohl selbst nicht erahnt, als sie im Jahr 2010 im Zuge der Dorferneuerung begannen, ein dreiteiliges Museum mit den Lebensbereichen „Arbeiten, Wohnen, Schule„ um 1900 aufzubauen.

Im Steinbruch wird der Arbeitsalltag, im Einhaus die Wohnsituation mit der üblichen Selbstversorgung, Viehhaltung im Untergeschoss, gezeigt. Ein weiterer kultureller Mittelpunkt ist die nach Denkmalschutz-Gesichtspunkten restaurierte „Alte Schule“, in der viele kleine Museumsräume Platz finden.
Heiko Lorenzen und Brigitta Schilk, stellvertretend für den vierköpfigen Vorstand genannt, haben mit Unterstützung von 15 freiwilligen Helfern bereits jetzt etwas Großes geschaffen – und die Arbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Viele hundert Stunden investierten sie, um die Geschichte Bonsweihers wieder lebendig und der Bevölkerung zugänglich zu machen. Für dieses Engagement wurde der Verein von der Sparkassenstiftung Starkenburg bedacht. „Ich bin beeindruckt, welche tolles Konzept Sie sich überlegt haben“, sprach Gerhard Hofferbert, Vorstandsmitglied der Sparkassenstiftung Starkenburg, seine Hochachtung aus. Alleine die Exponate aus früheren Tagen aufzutreiben, sei eine Leistung, unabhängig von den vielen Arbeitsstunden, die in die Räumlichkeiten gesteckt werden mussten und noch müssen.
„Wir haben viele Ideen, werden tatkräftig von der Bevölkerung unterstützt. Das macht einfach Spaß“, sagte Heiko Lorenzen, stellvertretender Vorsitzender des KuM Bonsweiher. Dennoch könne man nicht alles durch Eigenleistung erledigen. Daher freue man sich über die Spende der Sparkassenstiftung Starkenburg, durch die man immer weiter machen und das Projekt „Museum in der Alten Schule“ auf professionelle Art umsetzen könne. Aktuell wird der Verein mit 2500 Euro unterstützt.
„Schöne Geschichten rund um die Exponate“
In den Räumlichkeiten werden verschiedene historische Schauplätze nachempfunden. So ein Schützengraben aus dem Ersten Weltkrieg und ein Bunkerstollen aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein ehemaliger Schulraum, ausgestattet mit zwei Schulbänken, Schultafeln und einem alten Ofen, lässt die Besucher eintauchen in frühere Zeiten. „Es gibt viele schöne Geschichten rund um die Exponate. So kochte die Lehrerin auf dem Ofen im Klassenzimmer ihre Wäsche. Das regte manchen Spitzbuben an, Wäschestücke zu stibitzen und damit durch den Ort zu laufen“, berichtete Lorenzen. Im Feuerwehrmuseum ist ein original Bonsweiherer Spritzenwagen von 1896 zu sehen und eine alte Spritze um 1880. Auch gibt es einen Vortragsraum und ein Geschichtsarchiv, aufgebaut aus einem Nachlass. „Hier gibt es noch viel Arbeit, denn die Bücher müssen gesichtet und katalogisiert werden. Das klappt nur mit einem guten Team“, lobte Brigitta Schilk die Helfer, zu denen auch einige jüngere Bürger gehören, ebenso wie der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald.
Schnurkeramiken, die bereits 4000 Jahre alt sind, und von den Hügelgräbern auf der Juhöhe stammen, zählen zu weiteren historischen Fundstücken.
Prunkstück des Museums in der Alten Schule ist der Lederraum, in dem die Geschichte der Lederindustrie, die nach dem Niedergang der Steinhauerei der Haupt-Arbeitgeber für die Region war, nacherzählt wird. „Viele Facharbeiter waren bei Freudenberg in der Schuhfabrik oder Gerberei tätig. Am Ort gab es zwei selbstständige Schuster“, erzählte Brigitta Schilk. Die ausgestellten Maschinen des Lederhandwerks – eine Lederspaltmaschine, Gürtelschneidmaschine und Katenmaschine – geben Einblick in das Handwerk. Werkzeuge, wie Spezialzangen, Stanzeisen und Lochzangen liegen aus, gegerbte Lederstücke in Originalgröße, Rindlederstücke in unterschiedlicher Verarbeitung, Lederbeutel und Gürtel hängen an der Wand. Eine alte Werkbank wird in naher Zukunft angebracht. „In Kooperation mit der Volkshochschule bieten wir auch Kurse zum Thema „Römerschuhe“ oder „Lederbeutel“ an, an denen bis zu acht Personen in urigem Ambiente teilnehmen können“, so Brigitta Schilk.
Der Kultur- und Museumsverein Bonsweiher stellt im Museum in der Alten Schule aber nicht nur Exponate aus früheren Tagen aus, sondern bietet über ein Multimedia-Geschichtslexikon auch moderne Medien zur Erfassung der Geschichte Bonsweihers. Nach Fertigstellung aller Räumlichkeiten ist geplant, das Museum immer sonntags zu öffnen und Führungen anzubieten.