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Starkenburger Echo | 12. September 2013  | Von Brigitta Schilk

Geschichte zum Anklicken

Tag des offenen Denkmals – Kultur- und Museumsverein präsentiert frisch sanierte Alte Schule in Bonsweiher


[Geschichte zum Anfassen: Der stellvertretende Vorsitzende des Bonsweiherer Kultur und Museumsvereins, Heiko Lorenzen (links), erklärt Besuchern beim „Tag des offenen Denkmals“ in der Alten Schule in Bonsweiher die historische Bearbeitung von Leder und Textilien. Foto: Karl-Heinz Köppner]

BONSWEIHER.
Am Donnerstag waren noch Handwerker und Putzkräfte in der Alten Schule in Bonsweiher im Einsatz. Pünktlich zum „Tag des offenen Denkmals“ präsentierte der Kultur- und Museumsverein (KuM) das zukünftige Museum in der Alten Schule Bonsweiher.

Die Sanierung der denkmalgeschützten Alten Schule im Mörlenbacher Ortsteil Bonsweiher ist das größte Projekt im Zuge des Dorferneuerungsprogramms. Die Besucher der Alten Schule waren am „Tag des offenen Denkmals“ begeistert von der Sanierung des Gebäudes und dem Museum, das KuM in vier Räumen nach und nach einrichtet. Ziel sei es, die Ausstellung im September 2014 zu eröffnen.

 Der stellvertretende Vorsitzende des Kultur- und Museumsvereins, Heiko Lorenzen, referierte im ehemaligen Klassenzimmer über die Siedlungsgeschichte Bonsweihers. Die alte Schiefertafel, die sich im Raum einstmals befand, musste einem großen Flachbildschirm weichen. Lorenzen projizierte Skizzen und Bilder, um den Vortrag zu illustrieren. Die Zuhörer folgten seinen Ausführungen, wie sich von 764 bis 1232 das Weschnitztal entwickelte und Bonsweiher als Waldhufensiedlung entstand. Auf einer Googlekarte zeigte Heiko Lorenzen die noch heute erkennbaren Spuren der Waldhufenstruktur. An mehreren Bildschirmen im Raum können sich Besucher künftig durch die regionale Geschichte klicken. Die Geschichtsereignisse und Familienerinnerungen werden mit Videos, Fotos und Texten lebendig.

Im Kellergeschoss beeindruckten vor allem die jüngeren Besucher zwei alte Feuerwehrspritzen. Am Vormittag erklärte KuM-Mitglied Bernd Ginader, wie die für damalige Zeiten hochmoderne Saug- und Druckpumpe von 1896 funktionierte. Acht Feuerwehrleute waren nötig, um die Pumpe zu betätigen, die Löschwasser aus dem gestauten Bach ansaugte und mit Druck an den Brandherd spritzte. Gern verweilten die Kinder auch im Lederraum, in dem sie mit alten Materialien spielen durften.

Alte Maschinen von Freudenberg

Über die alte Gürtelschneidmaschine, Schärfmaschine und Lederspaltmaschine staunten viele Besucher. „Des is olles vun Krämers“, erkannten einige Bonsweiherer die Maschinen, die einst Eigentum der Firma Freudenberg Weinheim waren.
In den Achtzigern erwarb Richard Krämer sie und verarbeitete mit ihnen bis im Jahr 2009 Leder. Für den Schuhmacherbedarf stellte er Rüster, Fersenfutter und Decksohlen her. Seine Frau Inge Krämer überließ Werkzeuge, Leder und Maschinen dem Museum. Mit den Worten „unsere Schule“ betraten ältere Bewohner des Mörlenbacher Ortsteils die Alte Schule. Die Zeitzeugin Margot Horacek berichtete von ihrer Schulzeit von 1955 bis 1963, dass „in den Abseiten neben dem Klassenzimmer die lausigen Spitzbuben eingesperrt wurden. Dort wurde Holz gelagert und die Jungen mussten auf einem Holzscheit knien“.
In den Fünfzigern habe sich im Obergeschoss neben dem Klassenzimmer eine Privatwohnung befunden, sagte sie. Bei Bedarf habe das Wohnzimmer als Standesamt hergehalten, in dem der Bürgermeister die Hochzeitspaare traute.

Über zweihundert Besucher strömten nach Vereinsangaben den Tag über durch die Alte Schule. Das KuM-Team sei sehr zufrieden mit der Resonanz des Publikums gewesen.

 

 

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Nach über zweijähriger Restaurierungszeit kann die „neue" Alte Schule