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Starktenburger Echo | 18. Mai 2013  | bms

Staunen über den Abendgesang im Wald

Natur – Berend Koch bringt bei einer Exkursion am Leeberg Teilnehmern heimische Vögel näher

Fuehrung Vogelstimmen am Leeberg
Anhand eines Vogelbuches stellte der Ornithologe Berend Koch (vorn links) am Leeberg heimische Singvögel vor. Foto: Brigitta Schilk

BONSWEIHER.

Der Wald wird im Frühling zum Konzertsaal, in dem ein Symphonieorchester spielt. Den Gesang der Vögel erlebten die Teilnehmer an einer Führung „Heimische Singvögel am Leeberg“ mit dem Mörlenbacher Ornithologen Berend Koch in Bonsweiher.

Der Kultur- und Museumsverein (KuM) Bonsweiher hatte erstmals eine solche Führung organisiert. Koch erklärte den Teilnehmern aus Mörlenbach, Wald-Michelbach, Erlenbach und Laudenbach, dass am frühen Abend noch viele Singvögel zu hören seien. Mit voranschreitendem Abend werden es weniger, die Stimmen der einzelnen Singvögel seien dann allerdings besser zu unterscheiden.

Beim Aufstieg auf den Leeberg waren Mönchsgrasmücke, Buchfinken, ein Grünspecht und der Zilpzalp zu hören. Er war an seinem charakteristischen Gesang auszumachen. Melodiöse Gesänge dienen der Revierabgrenzung und locken Weibchen an. Einige Stare am Waldrand gaben Töne wie ein Häher von sich. Bei lauem Frühlingswind sang der Buntspecht. Zweimal waren die Töne der schon im März singenden Misteldrossel wahrnehmbar. Der Experte hielt im Frühlingswald immer wieder an und machte die Gruppe auf die klar vernehmbaren Vogelstimmen aufmerksam.

Helle Amselgesänge begleiteten die Gruppe auf ihrer mehr als zweistündigen Wanderung. Zwischendurch gab eine Amsel Warnrufe von sich. Diese Vögel sind zu hören, wenn ein potenzieller Feind am Boden auftaucht. Tauben gurrten ihren Reviergesang, und für kurze Zeit hämmerte ein Buntspecht auf Holz.

Andächtig lauschte die Gruppe der herausragenden Sängerin hierzulande, der Singdrossel. Sie stellte ihre Strophen immer
wieder neu zusammen und wiederholte sie. Zu sehen waren die Singvögel indessen fast nicht, sie saßen geschützt in den Laubkronen der Bäume. Fitis und Waldlaubsänger schienen nicht zugegen. Zwischendurch genoss die Gruppe einen Blick über das vom Abendlicht beschienene Weschnitztal.

Nach dem Zaunkönig, dem zweitkleinsten Vogel im Odenwald, stimmte ein Rotkehlchen silberhellen Gesang an. Koch erzählte, die Rotkehlchen flöteten ganzjährig liebliche Melodien und dies manchmal auch nachts an einer Straßenlampe.

Bei hereinbrechender Dämmerung beenden die Singvögel in konstanter Reihenfolge ihr Lied. Singdrossel, Rotkehlchen und Amsel waren die letzten Abendsänger. Berend Koch empfahl den Beteiligten, sich mit CDs in die Vogelstimmen einzuhören. Es sei reine Trainingssache, sie unterscheiden zu können.