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Starktenburger Echo | 6. April 2013  | mano

Schnitt für Schnitt von Ast zu Ast

Natur – Bei einem Kurs des Kultur- und Museumsvereins Bonsweiher lernen Hobbygärtner, wie Obstbäume gepflegt werden


Der Experte beim Erklären
Expertenrat: Konrad Stein (rechts oben), Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Rimbach, klärt über Techniken und richtiges Werkzeug beim Obstbaumschnitt auf. Foto: Manfred Ofer

BONSWEIHER.

Der Frühling steht in den Startlöchern. Vor diesem Hintergrund bieten viele Vereine im Kreis Bergstraße Praxisseminare für die Pflege des heimischen Gartens an. Das ECHO hat sich bei einem Obstbaumschnittkurs in Bonsweiher einmal umgesehen.

„Wer will als Nächster sägen?“, fragt Konrad Stein in die Runde. Acht Freiwillige melden sich.

Der 84-Jährige nickt zufrieden und reicht sein Werkzeug an einen von ihnen weiter, woraufhin sich dieser ans Werk macht. Es ist eine illustre Runde, die sich auf einer Wiese im Weschnitztal eingefunden hat, um die hohe Kunst der nachhaltigen Obstbaumpflege zu erlernen.

Das zweite Jahr in Folge bietet der Kultur- und Museumsverein Bonsweiher einen Obstbaumschnittkurs unter der professionellen Anleitung von Konrad Stein an. Der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins im benachbarten Rimbach engagiert sich gerne, wie er sagt, für „die gute Sache“ vor Ort. Auf Fragen, wie was zu tun ist, wenn ein Baum mangels Pflege seine Früchte kaum noch tragen kann, hat der rüstige Mittachtziger stets eine Antwort parat.

Zuerst steht Theorie auf dem Plan. Aufmerksam hören die Teilnehmer zu, als Stein die Gesetze von Aufbau und Wuchs eines Obstbaumes erläutert. Später werden sie in einem praktischen Teil selbst Hand anlegen, um sich mit Pflege und Schnittführung
in den jeweiligen Lebensstadien eines Baumes vertraut zu machen. Auch Fragen der Sortenauswahl und der Obstverarbeitung werden auf Wunsch behandelt. Geübt wird auf einer kleinen Streuobstwiese, die ein Mitglied des Kultur- und Museumsvereins zur Verfügung gestellt hat.

Schnell fliegen die ersten Späne

Bevor sich die Teilnehmer mit Säge, Astschere und Schutzhandschuhen ans Werk machen, erklärt ihnen Stein, was zu tun ist und warum. „Einige Äste wachsen im Laufe der Zeit so ungünstig, dass sie andere beschatten und in ihrem Wuchs einschränken“, sagt er und deutet mit einem Teleskopstab auf die betroffene Stelle. Schnell fliegen die ersten Späne.

Die Motivation der Kursteilnehmer ist unterschiedlich. „Ich habe mir vor Jahren einen Kirschbaum für meinen Garten gekauft“, erzählt Michael Strohmenger (44) während einer kurzen „Sägepause“ und fügt lachend hinzu: „Leider ist er durch meine laienhafte Pflege jedoch kaum gewachsen“. Daran möchte der Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins Bonsweiher unbedingt etwas ändern.

Ganz ähnliche Beweggründe schildern auch die anderen Kursteilnehmer im Gespräch mit dem ECHO. Siegfried Röth (54) kann in Sachen Baumpflege einiges an Erfahrung vorweisen. Vor Jahren hat er von seinem Vater eine kleine Streuobstwiese in Siedelsbrunn geerbt. Das sei schon ein Stück Heimatgefühl, wie der Industriekaufmann sagt. „Früher haben wir Früchte, die wir auf unserem Grundstück geerntet haben, auch noch selbst gekeltert“, erzählt der 54-Jährige, der zum ersten Mal an dem Praxisseminar in Bonsweiher teilnimmt. „Das ist eine willkommene Gelegenheit, um meine Kenntnisse über die Pflege von alten Streuobstwiesen zu vertiefen“, sagte er, und freut sich über das Angebot vor der Haustür.

Erika Foshag (51) und Markus Bürner (53) haben sich gemeinsam angemeldet, nachdem sie über einen Artikel im ECHO von dem Obstbaumschnittkurs in Bonsweiher erfahren haben. Die Diplom-Biologin und der Medizintechniker kommen aus Laudenbach und teilen die Leidenschaft für die Gartenpflege. „Bislang haben wir uns mit Tipps aus Büchern beholfen, aber so ein Kurs ist doch viel besser, weil nun mal praktischer“, stellen sie beide übereinstimmend fest. Um ihren Garten in Eberbach wollen sie sich noch möglichst lange kümmern. „Das macht Spaß, und die Früchte, die wir da ernten, sind ja auch garantiert Bio-Obst“, stellt Erika lächelnd fest. Viele der Teilnehmer treibt auch der Wunsch an, dem stressigen Büroalltag zu entfliehen. Sich bei der Gartenarbeit zu entspannen und die Ergebnisse seiner kreativen Tätigkeit direkt vor Augen zu haben, seien die beste Motivation. Und in der Gruppe mache das Ganze doppelt so viel Spaß.

Einige Teilnehmer wollen im nächsten Jahr wieder mitmachen. Auch um zu sehen, ob die Arbeit an der Streuobstwiese Früchte trägt.

Die Teilnehmer beim Schneiden
Ran an die Äste: Beim Obstbaumschnittkurs wurde Gelerntes gleich in die Praxis umgesetzt. Foto: Manfred Ofer